Naturgeist

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Mittwinter

Die Wilde Jagd kehrte vom Seelenmeer zurück. Ein weiteres Mal war der Wechsel der Tage und Nächte vergangen. Mittwinter nennen die Menschen diesen Tag. Der Brauch, Geschenke an die Kinder zu verteilen, hatte auch bei einigen Naturgeistern Einzug gehalten.

Die Wilde Jagd kehrte vom Seelenmeer zurück. Die Dame Crysalgira war das erste Mal mit Ihnen geritten. Am Lhur del Elomain war sie das erste Mal ganz Naturgeist, aber auch ganz Mensch. Die Seele ist dann übervoll mit Sehnsucht nach dem eigenen Sein und in grosser Gefahr, im Licht des Meeres zu versinken. Lirielle hatte Crysalgira eben noch zurückholen können.

Die Wilde Jagd kehrte vom Seelenmeer zurück. Crysalgira war immer noch benommen und so bemerkte sie nicht, dass die Wilde Jagd vor dem Versammlungshaus in Neu-Descaer anhielt. Die Menschen im Haus wussten nicht, was soeben in der Geisterwelt geschah, obwohl die Welten sich in keiner Nacht so nah sind, wie in dieser.
"Warum halten wir an?" fragte Falk, der Sohn von Keo und Vanyar. Er zählte erst zwölf Sommer, bald dreizehn. Alt genug, an der Wilden Jagd teilzunehmen. "Die Menschen können uns doch nicht sehen." Er dachte an seine Freunde bei den Neu-Descaerern, mit denen er dies Erlebnis nicht teilen konnte, ja nicht einmal ihnen davon erzählen.

Er sah, wie Finyen und Gnisseldrix und Anthardes und Erzquell und viele andere Geister, die er kannte und Freunde nannte, abstiegen und langsam zum Versammlungshaus gingen. Sie schritten bis zur Tür und verharrten dort eine lange Weile, dann verneigten sie sich.
Schliesslich kamen sie zurück und Falk hörte Finyens Stimme, geisterhaft und volltönend. In den Tagen, da er noch ein kleiner Junge war, hatte er Oberon manchmal so sprechen gehört. Aber er hatte nie gewusst, ob es ein Traum gewesen, oder ob er wach gewesen war.

" Wir verneigen uns vor den Menschen, den Sterblichen und Vergänglichen.
Weil sie nur für kurze Zeit Gast auf dieser Welt sind, aber in dieser Zeit bereit sind, alles zu geben.
Ihr Leben gilt ihnen nichts und ist doch ihr höchstes Gut. In der wenigen Zeit, die ihnen bleibt, sind sie bereit, die Grundfesten des Seins zu erschüttern, und doch lauschen sie den leisen Tönen ihres Herzschlags. Sie erschaffen Meisterwerke und haben wundervolle Gaben. Das Leben ist übervoll in ihnen, reichhaltig und vielfältig. Und schon einen Lidschlag später verlöschen sie. Dann gehen sie fort und wissen nicht wohin. Alles, was sie geschaffen, ist mit diesem Augenblick vergangen. Aber es käme keinem Menschenkinde in den Sinn, es deshalb nicht zu tun."

Copyright © 2007 by Finyen del Lian